Martin's Blogger-Kodex
Es folgen Zitate des Pressekodex und meineInterpretation und Portierung in die Blogosphere.
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Wir dürfen über all das Schreiben, was wahr ist. Wir dürfen dabei aber niemanden direkt schaden oder persönlich verletzen. Alles was wir in unseren Blogs publizieren, sollten zumindest wir selbst glauben.
Nachrichten und Informationen sind auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.
Über alles, worüber wir bloggen, müssen wir uns ausreichend informiert haben. Falls notwendig geben wir Quellen an. (Beispiel bei einem Blog-Artikel über ein Produkt: Hersteller-URL, Produktbeschreibung etc.). Gerüchte und unbestätigte Aussagen sind mit dem Ironie-Tag auszuzeichnen.
Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich richtig zu stellen.
Falls uns ein Leser auf einen Fehler aufmerksam macht, sollten wir diesen ausbessern. Dies geschieht am besten mithilfe der von HTML bereitgestellten Verbesserungs-Tags del und ins.
Bei der Recherche dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden. Die vereinbarte Vertraulichkeit und das Berufsgeheimnis ist zu wahren.
Wir dürfen keine Server hacken oder Personen hinterherspannen. Falls uns jemand sagt "Behalt das für dich"; halben wir uns daran zu halten.
Redaktionelle Veröffentlichungen dürfen nicht durch private oder geschäftliche Interessen der Journalisten, Verleger oder Dritter beeinflusst werden. Eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Werbung ist ebenso notwendig wie die Verweigerung der Annahme von Vorteilen.
Hm... das scheint nicht auf uns zuzutreffen :)
Die Presse achtet das Privatleben, die Intimsphäre sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen.
Falls uns jemand sagt "Behalt das für dich" halben wir uns daran zu halten. Wir dürfen niemanden dazu zwingen, unser Blog zu lesen.
Unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, Ehrverletzung, Veröffentlichungen, die das sittliche oder religiöse Empfinden verletzen und eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität sind nicht zulässig.
Selbstverständlich!
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer rassischen, ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.
Ok, ich mag Politiker. Der Rest ist selbstverständlich.
Habe leider keine Trackback-URL bei dir gefunden.
Daher dieser manueller Trackback: Kopfaquarium schreibt: Kodex für Blogger
http://www.kopfaquarium.de/2007/02/21/kodex-fuer-blogger/
Danke euch beiden für die Hinweise und Ergänzungen.
Ich denke als Blogger hält man sich selbstverständlich an die Regeln des guten Geschmacks und des guten Tons. Das schließt in meinen Augen jedoch ein kritischen Umgang mit der Welt nicht aus. Insofern neige ich dazu Bela beizustimmen.
Allerdings darf Meinungsäußerung nicht in Diffamierung enden- also: Irnonie und Direktheit JA, Verunglimpfungen und Beleidigungen NEIN. Dennoch werden wir immer wieder mit schwarzen Schafen leben müssen ;-)
Meiner Meinung nach für mich das Bloggen eine prima Möglichkeit Demokratie zu leben. Und die wiederum lebt von der Kritik, wie man ja weiß....
Ich finde es gar keine schlechte Idee einen Kodex für Blogger aufzustellen, daher finde ich diesen Artikel sehr gut!
Von mir dann auch ein manueller Trackback: http://upload-magazin.de/?p=93
Finde ich gut, dass Du nicht versuchst, das Rad ein zweites Mal zu erfinden. Denn der (mehrmals aktualisierte) Pressekodex enthält aus meiner Sicht nichts, was nicht für jeden Blogger auch gelten könnte (und sollte).
Ich wüsste nicht, warum irgendein "religiöses Empfinden" schützenswert sein sollte ... Wessen Empfinden denn? Welcher Religion?
By the way: Diese Leiste am oberen Rand ist sehr cool :)
Nils, nicht jeder ist Atheist. Darum sollte der Glaube eines jeden wenigstens in der Öffentlichkeit respektiert werden. Und warum stelltst du dir die Frage, welche Religion schützenswert wäre? Wie wäre es mit allen?
PS. Ich bin Atheist
und danke für das Kompliment zur "Bar" (die fixierte Leiste am oberen Rand)
Nein. Wenn jemand allen Ernstes glaubt, Maria sei Jungfrau gewesen als Jesus geboren wurde oder dass das Universum 10.000 Jahre alt sei, dann habe ich vor diesem religiösen Bekenntnis den gleichen Respekt wie vor Leuten die an Horoskope glauben oder die Zukunft aus Tierkadavern lesen.
Wenn man akzeptiert, dass alle religiösen Empfindungen schützenswert sind, kann bei jeder kritischen Äußerung jemand auf "Verletzung religiöser Gefühle" pochen. Und wenn ich von vornherein verhindern will, dass das passiert, muss ich vor jedem Blog-Posting auf Kompatibilität mit allen Religionen weltweit testen? Laut <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Religion#Religionen_in_Zahlen">Wikipedia</a> gibt es nicht weniger als 16 Religionen mit mehr als 100 Millionen "Teilnehmern". Von den meisten habe ich noch nie was gehört, geschweige denn könnte ich beurteilen wie es mit religiösen Gefühlen steht.
Und was ist mit Scientology?
Natürlich heißt das auch nicht, dass man religiöse Gefühle beleidigen muss, wenn es nicht nötig ist - so wie man überhaupt keine Gefühle beleidigen sollte, wenn es nicht nötig ist. Aber ich finde, man sollte Religion nicht auch noch mit einem nicht-hinterfragbaren Schutzmantel umgeben.
Hey, ich bin nicht derjenige, von Religion überzeugt ist. Jedoch bin ich ganz froh, dass unser Rechtssystem wohl teilweise auf den 10 christlichen Geboten basiert.
Scientology ist seit 1995 nach deutscher Auffassung keine Religion. Das Telemediengesetz gilt auch nur in Deutschland.
Die Journalisten, wie auch Blogger sollten sich einfach neutral gegenüber Theisten verhalten und keinen Glauben ins lächerliche ziehen. Was Blogger persönlich darüber denken, interessiert sowieso keinen, oder?
Was machst du eigentlich am 24. Dezember? Nach welcher Zeitrechnung lebst du eigentlich?
Ich bin sehr froh, dass unser Rechtssystem teilweise <i>nicht</i> auf den zehn Geboten basiert ...
Ich will das jetzt hier auch nicht ewig auswalzen, führt ja auch vom Thema weg. Allerdings halte ich die Sonderstellung für religiöse Anschauungen - im Gegensatz zu z.B. politischen Anschauungen, die ich <i>natürlich</i> ins Lächerliche ziehen darf - für einen großen Fehler. Hm, vielleicht sollte ich dazu mal selber was bloggen ...
Sehr gut. Mich würden deine weiteren Gedanken sehr interessieren. Sag mir bitte bescheid, wenn du deinen Artikel dazu fertig hast.
Das mit "Behalt das für dich" ist nur dann zu beachten, wenn es VOR der eigentlichen Information gesagt wird. Denn erst ab dem Moment wo "Behalt das für dich" gesagt wird, gilt es auch. Soweit die Theorie. Alles andere gehört in den Artikel "wie verbrenne ich eine Quelle schnell und wirkungsvoll".
hey,
also erstmal danke vielmals, dass du das etwas verständlicher für uns blogger zusammengefasst hast...ich war schon am verzweifeln :)
Soweit ist ja auch alles ganz vernünftig und notwendig.es ist natürlich selbstverständlich, dass die würde jedes einzelnen menschen keinesfalls verletzt werden darf...
jedoch habe auch ich was an diesem religiösen aspekt auszusetzen.
wenn ich auf meiner seite anfange all die christlich-religiösen Fehler der vergangenheit aufzuzählen, kann man mich dann der Respektlosigkeit gegenüber der christen beschuldigen, auch wenn die fehler stimmen?also, genau gesagt, ist mir nicht ganz klar, wo da genau die grenzen gesetzt werden. Warum darf iman die Abneigung der Merkel als Kanzlerin gegenüber äußern und lauter Karikaturen ausm internet ziehen, aber darf das nicht mit etwas religiösem?
bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein mitglied im Merkel-Fanclub..aber nur rein prinzipiell, wo zieht man grenzen und warum sind sie scheinbar je nach Thema anders angesiedelt?
In dem Zusammenhang würde mich das bez. der Scientology-Anhänger auch interessieren. Es ist offensichtlich, was da abläuft, aber darf nicht scharf kritisiert werden, weil es eine eigenständige religiöse Organisation ist?oder habe ich da was falsch.... verstanden? ist nämlich gut möglich...
mir ist da noch was eingefallen....
eine überzeugung wie Kreationismus ist, meiner meinung nach, einfach nur lächerlich!darf ich nicht öffentlich sagen, dass das ganze Konzept der Kreatonisten sich völlig antagonistisch zu den Fakten der Evolution verhält? Es ist zwar, soweit ich weiß, keine religiöse Sekte, aber eine Weltanschauung, die ja auch in das telemediagesetz fällt.
So ist auch das "fliegende Spaghettimonster" eine fiktionale Version, die zwar zum guten Zweck geschaffen wurde, die ich aber niemals als eine realistische Weltanschauung ansehen würde. Also auch wenn etwas offensichtlich dazu gemacht wurde, um etwas andere(kreationismus) ins lächerliche zu ziehen, darf man sich dann über die faktische Unwahrheit äußern?..
...auch wenn man letztendlich nicht mit 100%iger Eindeutigkeit das fliegende Spaghettimonster widerlegen kann?
Bela
20.02.2007
Na, das ist ja nichts anderes als der Pressekodex, auf uns übertragen.
Aber hier möchte ich zwei Stichwörter einwerfen, die mir da durch den Kopf schießen: Wirtschaftlichkeit und Vorauseilender Gehorsam.
Die Wirtschaftlichkeit ist die, das die meisten Blogger dies Privat tun. Auf eigene Rechnung, ohne Anzeigenkunden und crossmediale Medienkonzerne, und deswegen freier schreiben können und freier schreiben müssen als die Medien, die selten z.B. ein Produkt als überteuert und nutzlos (was es ja geben soll ;) ) beschreiben, wenn der Hersteller Anzeigenkunde ist....
Müssen oder Sollen wir diese Vorsicht im Bezug auf die Wirtschaft auch in unabhängigen Medien an den Tag legen?
Wir sitzen ja ebene nicht am Trog der PR-maschinerie und haben oft auch persönliche Erfahrungen mit den Gegenständen... Wir sollten also (meiner privaten Meinung nach) unsere Pressefreiheit auskosten und eben sagen, was uns nicht passt.
Das bringt mich zum zweiten Punkt: Der Vorrauseilende Gehorsam, die Angst davor, mit Mißständen wenn nötig auch mitteln der Ironie und der Übersteigerug hart ins Gericht zu gehen.
Als ein positives Beispiel dafür wäre der "StudiVZ"-kram zu nennen. Das Raster der Medien ist zu grobmaschig, um alles aufzufangen, und zu undifferenziert, um im Laufe der Zeit eine Meinung zu bilden. Ist hier vielleicht eine Chance der Blogsphere, sich selbst als wertvollen Bestandteil der öffentlichen Meinung zu positionieren, wenn wir eben die Bipolarität der Meinungen akzeptieren und daraus als Ganzes das schaffen, was die etablierten Medien versäumene? Meinungsbildung anstatt Faktenansammlung?
Wir haben eine Freiheit, die es uns ermöglichkeit, frei und ungebändigt das zu sagen was wir denekne - Block-flöten und Jasager gibt es schon genug.
OK, das waren jetzt mal meine Gedanken. Muß nicht richtig sein, und es gibt mit Sicherheit immer Extremfälle, die gesondert betrachtet werden müssen, aber nur so zum Nachdenken - wird nicht schon genug reguliert?